.

In unserer Stadt ist heute Nacht ein Wohnhaus abgebrannt. Die Adresse, die heute morgen durch die Medien geisterte, “beruhigte” mich etwas, denn sie war eine komplette Straßenzeile von der Patentante des Kleinen entfernt. Anhand der Bilder, die inzwischen veröffentlicht wurden, kann man als “Insider” aber erkennen, dass die genannte Adresse falsch war…

Der Unglücksort ist nur zwei Häuser von der Adresse der Patentante entfernt. Noch vor fünf Tagen haben wir mit Blick auf die inzwischen total verkohlte Rückseite des Hauses Geburtstag gefeiert.

Jetzt ist mir ganz anders und ich hoffe, dass sie und ihr kleiner Sohn heute Nacht nur durch den Lärm beeinträchtigt wurden und nicht selbst von der Evakuierung betroffen waren. So schnell verschwindet das Gefühl der Sicherheit. (Wir haben in allen relevanten Räumen Rauchmelder installiert und ich kann jedem nur raten, diese relativ günstige Investition ebenfalls durchzuführen.) 

Nachtrag: Sie waren sehr wohl betroffen und wurden unter großem Zeitdruck evakuiert, da der Funkenschlag wohl so extrem war, dass das Feuer auf einige Häuser überzugreifen drohte (von der Terasse haben sie heute faustgroße Brandteile weggekehrt). Der dreijährige Sohn hat einen Schock erlitten und wird wohl noch eine Weile daran zu knabbern haben…  :-( “Interessant” fand ich ihre Aussage, dass sie im ersten Moment völlig irrational reagiert hat. Dabei ist sie Ärztin und Extremsituationen wirklich gewöhnt. Selbst als sie einige Zeit aus dem Haus raus waren, war sie, wie sie selbst sagte, noch nicht ganz wieder “Herr der Lage”. So fuhr sie zu einer anderen Freundin (weil die die Person war, die sie am Abend zu letzt gesprochen hatte), obwohl es - auch aus ihrer Sicht - viel logischer gewesen wäre, zu uns zu kommen, da hier Wechselsachen, ein Bett für sie und ihren Sohn etc. gewesen wären. Jetzt sind sie jedenfalls wieder zuhause und der Kleine hat auch schon wieder mit dem Feuerwehrauto gespielt - wenn auch wohl anders als sonst. So schnell, kann die eigene Welt aus den Fugen geraten, obwohl man nicht mal selbst direkt betroffen ist.

Folgender Gedanke drängt sich mir dabei auf, auf den ich aber selbst (noch) keine Antwort habe: Soll man sich Gedanken darüber machen, in welche Extremsituationen man geraten kann, die dann schnelles Handeln erfordern, damit man in solchen Situationen nach Möglichkeit das Richtige tut? Oder macht man sich damit nur verrückt und macht dann sowieso das Falsche?

3 Antworten zu “.”

  1. silberpfeil sagt:

    Meiner Familie ist vor mehr als zehn Jahren unser Bauernhaus niedergebrannt. Von einer Nacht auf die andere hatten wir nichts mehr, ausser das was das Löschwasser noch so knapp überlebte.
    Ich kann nachfühlen, wie das ist. Nicht mehr genau zu funktionieren und plötzlich sehr schnell Entscheidungen zu treffen. Was packt man so schnell noch ein, was lässt man zurück? Und wo findet man Unterschlupf?
    Ich denke man kann das nicht wirklich trainieren. In einer solchen Extremsituation macht man dann schon in etwa das Richtige. Ich mache mir seither einfach Gedanken, was mir wichtig ist und was ich sicher retten würde. Das habe ich dann auch griffbereit zur Hand. Das Wichitgste ist jedoch auf jeden Fall, dass alle Menschen gerettet werden.

  2. schlapunzel sagt:

    Ich glaube auch nicht, dass sich das wirklich trainieren läßt. Aus beruflicher Sicht muß ich das zwar auch immer wieder und in dem Fall klappt es dann auch.Aber wenn mir privat etwas passiert ist das schon wieder ganz was anderes. Da kochen so schnell die Emotionen und Ängste über, dass es ein Segen ist, dass in solchen Situationen andere Menschen kommen, um einen zu helfen…

  3. kaanu sagt:

    Danke für Euer Feedback. Ich denke auch nicht, dass man sich perfekt für solch einen Notfall trainieren kann. Es gibt ja auch so viele verschiedene Arten möglicher Katastrophen, dass es wirklich zu viel verschenkte Lebenszeit wäre, sich auf jede einzeln “vorzubereiten”. Und ich kann mir auch sehr gut vorstellen, wie schlapunzel es sagt, dass im privaten Bereich Emotionen und Ängste so schnell überkochen, dass eh alles in Frage gestellt wird.

Eine Antwort hinterlassen