Die Frau Stadt Stadtfrau postet drei interessante Artikel aus der aktuellen Presselandschaft. Zu Artikel zwei und drei hab ich nicht viel zu sagen, aber Nummer eins beschäftigt mich. In diesem Artikel geht es darum, dass Eltern und Pädagogen “den natürlichen Umgang mit Aggressionen verlernt” haben. Quintessenz des (für dieses Thema aus meiner Sicht zu kurzen) Artikels sind für mich folgende beiden Aussagen:
1. Auf die Frage hin, wie Eltern ohne Schlagen, Schreien, ewiges Diskutieren auf Aggressionen ihrer Kinder reagieren sollen, wird geschrieben: “Laut Jan-Uwe Rogge dürfen – und sollen – Kinder und Eltern eines: handgreiflich werden, aber auf die richtige Art und Weise.” Was aber ist die “richtige” Art und Weise handgreiflich zu werden? Darauf bietet der Artikel leider keine Antwort. Das man mal fest zu packt, wenn das Kind (ob aus einer Aggression heraus oder auch nicht) auf eine Gefahrensituation zusteuert, um es vor deutlich größeren Schmerzen als dem zu festen Handgriff zu bewahren, halte ich noch für richtig. Aber sollte man z.B. ein ausrastendes Kind ganz fest in den Arm nehmen, damit sein Bewegungsradius eingeschränkt ist und es sich dadurch nicht weiter reinsteigert? Das mag bei manchen Kindern vielleicht funktionieren, bei vielen doch aber eher zu noch stärkerer Aggression führen, weil sie sich bedroht fühlen. Ich kann mich noch gut an eine Situation erinnern, in der unser Großer herumwütete und ich ihn dann, um ihn zu stoppen (sehr ?) derb am Handgelenk packte. Gefallen hat mir das im Nachhinein auf keinen Fall und ich habe mich dabei / danach alles anderes als wohl gefühlt. Vom Gefühl her kam das in dem Moment dem Schlagen nah. Und das soll es bei uns keinesfalls geben. Was ist also die richtige Art, handgreiflich zu werden? Gibt es die überhaupt? Überschreitet man nicht eine wichtige Grenze und kommt so Aktionen wie Schlagen / Ohrfeige näher?
2. Dann geht es um das Thema Raufen: “„Aggression heißt ja meistens, dass der Körper etwas tun will. Buben müssen das rauslassen, mit Händen und Füßen, sonst explodieren die Kinder“, sagt eine erfahrene Kindergartenpädagogin. Möglichkeiten gebe es genug: Bewegungsspiele, Wettspiele – oder einfach mal raufen lassen.” Soll ich meine Kinder (später mal) miteinander wütend kämpfen lassen? Bei dem Altersunterschied von drei Jahren? Nein, ganz sicher nicht. Toben, herumtollen, kämpfen spielen das alles ist okay, aber richtiges Kämpfen unter Wut (und das verstehe ich unter Raufen) - nein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich dabei zusehen oder wegsehen kann. Und im Kindergarten? Seitdem unser Großer beim Kindergarteneintritt mit 3,5 Jahren mehrfach von einem 6jährigen sehr stark gebissen wurde, hätte ich z.B. ein riesiges Problem damit, wenn z.B. er und sein (inzwischen als Freund bezeichneter) Kindergartenkollege “raufen” und keiner geht dazwischen. Vielleicht verstehe ich aber falsch, was genau mit “Raufen” gemeint ist - genau erklärt wird es leider nicht.
Mein Fazit: Körperlichkeit ist wichtig und gut, d.h. es wird getobt, “gekämpft”, gerannt, sich verausgabt, durchgekitzelt bei uns - aber immer mit der Massgabe, dass dem anderen nicht wehgetan werden soll. Wenn der andere (sei es Kind oder Eltern) deutlich Stopp sagt, dann muss aufgehört werden.
Und, bei Euch?